Erste Individualität im Tierreich

Es werden einige Gattungen des Tierdaseins exemplarisch herausgegriffen, die repräsentativ sind für das Ringen des Bewusstseins um eine aufsteigende Entwicklungslinie in unserer Evolution. Sehr gut erkennt man daran das Hin- und Herpendeln zwischen scheinbaren Gegensätzen. Es war ein notwendiger Prozess im Ausloten aller Möglichkeiten und haucht dem Begriff der Dualität Leben ein.  

Ruft man sich in Erinnerung, das die frühe Erde für Jahrtausende mit Wasser überzogen war, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir alle in unserer Evolution ein Dasein als Fisch durchlaufen haben. In der immer wieder zitierten Hypnosereihe werden unglaublich konkrete Einblicke geschildert:

"Man lebt in ständiger Angespanntheit. Wenn ein Reflex kommt, zuckt man sofort zusammen und zieht weg, das geht blitzschnell. – In starker Verteidigungsbereitschaft, aber nicht so kämpferisch wie die Tiere oder so aggressiv. Immer nach allen Seiten vorsichtig, schnell sich verstecken oder schnell wegkommen. Es ist mehr passiv. ... Es ist überhaupt sehr dumpf ... Ich glaube, da ist auch die Basis für unsere Grundangst. ... dass überall noch Gefahr lauert. ... Ich glaub',  irgendwas von diesem Lauern, dieser Grundangst, haben wir übernommen. [1]

Dies wiederum spricht für die Aussagen von Sri Aurobindo und der Mutter, dass unsere gesamten Erfahrungen der Evolution auch heute noch in unserem Zellbewusstsein schlummern, unser Fühlen und Handeln beeinflussen und ihrer Erlösung harren.

Gleichzeitig betont Herr Reiter das Aufgehobensein in diesem Nährmedium des Wassers, das alles bereithielt, was man zum Leben benötigte.  Das erinnert an eines unserer embryonalen Stadien im Mutterleib. Nach heutigen Forschungsergebnisse der vorgeburtlichen Psychologie führt man negative Erlebnisse während der Schwangerschaft als Grund an für später mögliche Urängste, ein mangelndes Geborgensein im Leben.  

 

 

 

Die angesprochene Dumpfheit zeugt von einem sehr wenig entwickelten Bewusstsein, das hauptsächlich von der Erfahrung des Einsseins mit dem ganzen Schwarm bestimmt war. Gegenüber der individualisierten Menschenseele spricht man heute von der "Gruppenseele" der Tiere.

 Der Tod wurde hingenommen als etwas, das einfach passierte:

"Es ist nicht so schlimm zu sterben wie im Menschsein. Es sind gewisse Gefühle da, alles ein bisschen dumpfer, aber das scheinen mir mehr Reflexe zu sein, die einfach ablaufen. Alles nicht so steuerbar und – irgendwie fühl' ich keinen Gedanken an den Tod. ... Der Fisch empfindet schon einen Schmerz; er zuckt so, weil er erstickt. Ein Aufbäumen gegen dieses Anormale, aber er weiß nicht so genau, jetzt sterbe ich, ach je, welches Drama. Das passiert einfach, anders kann man's nicht sagen."  [2] 

 

Ein besonders schöner Aspekt, der in der Tierwelt auftauchte, ist die Beziehung zu den Nachkommen. Herr Reiter bezeichnet sie als sehr starke emotionale Bindung, die sich zusammen mit der Nachkommenschaft unvermittelt einstellt und offensichtlich durch das Bezugsobjekt ausgelöst wird. Hier sind wir wieder angelangt bei der uranfänglichen Absicht des Geistes, sich selbst als Liebe im Du zu begegnen, das ja im Menschen bislang seinen Höhepunkt findet. Wir liegen falsch, wenn wir meinen, dass einfach anmutende Tierwesen dazu nicht in der Lage wären:

"Man kann nicht denken: "Ach, hätt' ich jetzt doch gern Nachkommen", sondern wenn sie da sind, dann ist eben ein starkes Gefühl da. ... Es ist unheimlich elementar, völlig überwältigend, und da kann man keinen Widerstand entgegensetzen." [3] 

 

Wiederum gab es Gattungen als Übergang zwischen dem Lebensraum Wasser und dem Land wie zum Beispiel die Schildkröte oder die Ente. Sie waren noch dem nassen Nährmedium verhaftet.

[1]   Dr. Peter Reiter in "Der Wiederverkörperungsweg eines Menschen durch die Jahrtausende, Reinkarnationserfahrung in Hypnose",  Werner J. Meinhold, AURUM Verlag, Freiburg im Breisgau, 1989 , S. 215, 216

[2] a.a.O. , S. 217   

[3] a.a.O. S. 222

Freiheit verwirklichte sich in besonderem Maße in der Vogelwelt. Charakteristische  an der Vogelexistenz war das Zarte, Leichte, das man von jeher mit dem Element Luft verbindet. Aber auch die Schutzlosigkeit. 

Hier war schon der Ansatz einer Individualisierung zu erkennen, denn ein Vogel konnte sich allein in die Lüfte erheben und davonfliegen, wenn ihn etwas aufschreckte. 

„Als Vogel kommt’s mir vor, die sind wie verschrobene Leute – und wenn’s zwei ganz gleiche Raben sind, so ganz eigenwillige Gestalten.“ [1] 

An anderer Stelle verwendet Herr Reiter das Attribut gewitzt und spricht von einer Neigung zur Exzentrizität, vor allem in Bezug auf die großen Greifvögel, die immer hoch oben über allen anderen kreisten und eine der wenigen Gefahren darstellten. 

„Ich glaube, so ein Vogel ist ein ganz eigener Versuch des Geistes, Individualität zu gewinnen. So kann man’s vielleicht zusammenfassen.“ [2]

Beobachtet man im Winter die Vögel am Futterplatz, kann man das eigentümliche und unterschiedliche Verhalten mancher gefiederter Freunde sehr gut beobachten. Und das Gezeter um die besten Schlafplätze in der Tanne vor dem Haus oder im Wein an der Fassade erinnert nicht selten an ein Klassenzimmer in der Pause. Man braucht dazu nicht einmal der Vogelsprache kundig zu sein. 

 

Das Dasein als Vogel war immer noch von einem dumpfen Bewusstsein geprägt. Gefühle wurden durch ein Objekt ausgelöst und nicht reflektiert. Interessant ist aber die folgende detaillierte Beschreibung: 

„… so richtig flauschige Böppel sind das…. die hab’ ich unheimlich lieb. – Die sind noch völlig hilflos. – Und da war das schönste auf der Welt, solche Böppel zu haben und zu versorgen. – irgendwie auch, Leben von meinem Leben zu geben. Auch die Vorstellung, dieses Leben ist unheimlich kostbar …. Und da hab’ ich auch Angst, wenn ich wegfliege und was zum Essen hole, dass denen was passiert.“ [3] 

 

 Im Nährmedium Wasser war man noch mit allem versorgt, was man zum Leben brauchte. Dafür war man noch mehr eingebunden in das Ganze, weniger frei.

Das Vogeldasein bedeutete einen großen Schritt in der Herauslösung aus dieser Einheit und hin zu einer beginnenden Individualisierung. Um der damit einhergehenden Schutzbedürftigkeit Rechnung zu tragen, konnte das Vögelchen sich in die Lüfte erheben. Die meisten Feinde lauerten am Boden. Gehörte man zu den größten seiner Art, so hatte man kaum noch welche – solange der Mensch noch nicht auf der Bühne erschienen war.  

 

 

Der Vogel ist meist das Symbol einer Seelen-Macht, wenn nicht der Seele selbst.

 

Sri Aurobindo

Danke an dich, Beate, für die wunderschönen Bilder.  

[1]   Dr. Peter Reiter in "Der Wiederverkörperungsweg eines Menschen durch die Jahrtausende, Reinkarnationserfahrung in Hypnose",  Werner J. Meinhold, AURUM Verlag, Freiburg im Breisgau, 1989 , S. 211

[2] a.a.O.   

[3] a.a.O. S. 210

Niemand, der mit Tieren zusammenlebt, wird behaupten, Tiere seien dumm, hätten kein Bewusstsein, keine Gefühle, keine Seele.

Bei Tieren spricht man, auch bei den höher entwickelten wie zum Beispiel die Säugetiere, von der "Gruppenseele". Herr Reiter erwähnte wiederholt, dass z.B. nicht die einzelnen Verkörperungen im Mittelpunkt des Bewusstseins standen, sondern das Dasein innerhalb der Art als solches, das sich oft über lange Zeiträume erstreckte. 

 

„Tiere haben sehr viel vollkommenere Sinne als die Menschen. Wer von euch könnte schon einen Menschen aufspüren, so wie ein Hund es zum Beispiel kann!

Dies bedeutet, dass in der Kurve oder vielmehr der Spirale der Evolution Tiere (und insbesondere jene, die wir „höhere“ Tiere nennen, weil sie uns mehr ähneln) vom Geist der Spezies regiert werden, welches ein hochbewusstes Bewusstsein ist. Bienen und Ameisen gehorchen diesem Geist der Spezies, der von einer ganz besonderen Qualität ist. Und was „Instinkt“ in den Tieren genannt wird, ist schlicht Gehorsam gegenüber dem Geist der Spezies, der stets weiß, was getan werden sollte und was nicht.“ [1]

 

Herr Reiter konnte  in Hypnose sowohl die anderen von innen heraus betrachten, als auch sich selbst von außen. Dieses Einheitsgefühl und diese Freiheit gingen in dem Maße zurück, wie sich die Individualisierung anbahnte. Letztere erforderte eine immer intensivere "Einkörperung" und Bindung an das Vehikel Materie. Vermutlich war das Zusammenschließen zur Gruppe ein äußerer Ersatz  für die Geborgenheit im Einssein, eine bewusste Projektion nach außen. Als Schutz für das Ausreifen der Individualisation.  Bis wir allein (über-) lebensfähig waren.

Betrachtet man den spirituellen Aspekt hinter allem, so kann man hier wieder das Bestreben des Geistes erkennen, wie er immer weiter in seine Schöpfung – also in sich selbst – hinabtaucht, um sich bis in die letzte Tiefe seiner Möglichkeiten auszukosten: 

"Mir fällt ein, dass ich den [Wolfshund] benutzen kann. ... Um in die Natur zu kommen. ... Indem ich ja  – selber irgendwo Hund bin. Ich hab' bei dem Hund mehr als nur äußere Betrachtung. Irgendwo ist in dem Hund auch was von mir. ... Ich bin mein sogenanntes höheres Selbst, aber nicht nur höheres, sondern auch tiefes Selbst. ...Das ist das, was von der Tiefe herkommt. Tiefe heißt ja, in die Tiefe gehen und da Erfahrungen sammeln. Das tiefe Selbst kann die Erfahrungen nicht von der Höhe aus überblicken, sondern erlebt sie aus der Tiefe ganz vereinzelt, ganz vertieft. In der Tiefe nur kann man die Erfahrung vertiefen. ... Die Natur ist die Tiefe.  [2]

Die Essenz aus Sri Aurobindos und Mutters Arbeit entspricht dieser Aussage vollkommen. Das Selbst, das sich bis in den entferntesten Winkel seiner Möglichkeiten auslotet und erfahren möchte. In dieser extra dafür aus sich selbst heraus geschaffenen Welt. In der Natur, die es gleichzeitig mit gestaltet und in der es seine Spuren hinterlässt, eingerollt in den Tiefen der Materie.

Im "Rückschritt" muss all das bis in jeneTiefen transformiert werden, nichts darf ausgelassen werden, muss wieder zum Göttlichen Bewusstsein erweckt werden, was in die Materie involviert ist, um SEIN Fortschreiten in der Zukunft mitvollziehen zu können. 

Alles, was existiert, ist Göttliches Bewusstsein, das mit sich selbst Verstecken spielt und sich in einem zunehmenden Facettenreichtum immer mehr entfaltet. Ist die Tiefe als vertikale Entwicklung zu sehen, der auf der anderen Seite das Erklimmen immer höherer Bewusstseinsebenen gegenübersteht, kann die äußere Vielfalt in der Zeit als horizontale verstanden werden.  

Im tierischen Dasein tauchten Gefühle als Affekte auf. Sie wurden "instinktiv" wahrgenommen, aber nicht reflektiert. Zum Beispiel das warme Gefühl gegenüber der Nachkommenschaft oder die Wahrnehmung der Gewitztheit oder Stärke der anderen:

 

"Das ist noch keine ausgeprägte Individualität, obwohl schon jeder Hund seine eigenen Marotten hat. Den ich da am Wasser seh, der bellt immer so keck den Vögeln nach, obwohl er weiß, dass er sie nie kriegt. Ich muss ab und zu über den Hund grinsen, wie wenn man selber einen Hund hätte, und doch spüre ich gleichzeitig sehr stark das, was mich über die Affekte direkt betrifft und wie man da mitfühlt oder Angst hat. Irgendwo ist es auch ein bedrückendes Gefühl, in so'n Hund reingedrückt zu werden." [3]

 

 

 

„Es gibt eine Intelligenz, die in der Natur und durch sie handelt, in ihrer Aktion, aber sie ist sich nicht dieser Intelligenz bewusst. Man kann dies bei Tieren sehen. Nehmen wir zum Beispiel Ameisen. Sie tun genau, was sie zu tun haben; all ihre Arbeit und Organisation ist etwas, was wirklich perfekt ausschaut. Aber sie sind sich nicht der Intelligenz bewusst, die sie organisiert. Sie werden mechanisch von einer Intelligenz bewegt, derer sie sich nicht bewusst sind. Und selbst wenn wir die am höchsten entwickelten Tiere nehmen, wie zum Beispiel die Katze und den Hund, so wissen sie genau, was sie zu tun haben: eine Katze, die ihre Kleinen großzieht, tut dies ebenso gut wie eine Frau – manchmal besser als eine Frau, aber sie wird von einer Intelligenz getrieben, die sie automatisch bewegt. Sie ist sich nicht der Intelligenz bewusst, die sie die Dinge tun lässt. Sie ist sich dessen nicht bewusst, sie kann nichts am Ablauf durch ihren eigenen Willen ändern. Etwas lässt sie mechanisch handeln, aber darüber hat sie keine Kontrolle."  [4]

 

Mit zunehmender Individualisierung und dem Erstarken und Verfeinern des Vitals erschien etwas auf der evolutionären Bühne des Tierreichs, was bis in unser heutiges Dasein hineinreichen sollte: Die Dominanz über andere, die Macht des Stärkeren. In dieser Stufe noch unbewusste Notwendigkeit, dem Überlebenstrieb geschuldet, sollte es sich später immer mehr mit einem Lustgefühl verbinden und bewusst angestrebt werden.   

 Tiere in menschlicher Gesellschaft

 

„Alle Tiere, die in der Nähe von Menschen leben, verlieren ihren Instinkt, weil sie eine Art verehrende Bewunderung für dieses Wesen hegen, das ihnen ohne die geringste Schwierigkeit Schutz und Nahrung geben kann – und auch ein wenig Furcht, denn sie wissen, dass sie geschlagen werden, wenn sie nicht den Willen des Menschen tun!

Es ist recht seltsam, sie verlieren ihre Fähigkeit.“ [5]

„Es gibt so viele Beispiele. Du bringst eine Kuh auf die Wiese; sie streift herum, schnüffelt und streckt plötzlich die Zunge vor, um einen Grashalm zu pflücken. Dann wandert sie wieder herum, schnüffelt und bekommt ein anderes Grasbüschel und so weiter. Hat je jemand davon gehört, dass eine Kuh unter diesen Umständen giftiges Gras frisst? Aber sperre dieses arme Geschöpf in einen Kuhstall, sammle etwas Gras und leg es in den Trog. Und das arme Geschöpf, das seinen Instinkt verloren hat, weil es jetzt dem Menschen gehorcht (bitte entschuldigt!), frisst das giftige Gras mit dem übrigen Gras. Wir hatten hier bereits drei solche Fälle von Kühen, die starben, weil sie giftiges Gras fraßen. Und diese unglückseligen Tiere haben, wie alle Tiere, eine Art Respekt (den ich ungerechtfertigt nennen könnte) für die Überlegenheit des Menschen – wenn er der Kuh giftiges Gras vorsetzt und ihr sagt, sie soll es fressen, dann frisst sie! Wenn sie aber sich selbst überlassen ist, das heißt, ohne dass irgendetwas zwischen sie und den Geist der Spezies tritt, würde sie es nie tun.“ [6]

 

„Hunde, zum Beispiel der Schäferhund, der fern der Menschen mit den Herden lebt und eine sehr unabhängige Natur hat (er kommt von Zeit zu Zeit heim und kennt seinen Meister gut, sieht ihn aber oft nicht), – wenn er nun von einer Schlange gebissen wird, so wird er in einer Ecke kauern, sich lecken und alles Notwendige tun, bis er geheilt ist. Wenn derselbe Hund aber bei dir wohnt und von einer Schlange gebissen wird, stirbt er in aller Ruhe, wie ein Mensch." [7]

 

Mutter hatte Jahre mit dem Studium von Katzen verbracht. Sie hatte dadurch eine besondere Beziehung zu ihnen: 

"Diese Katzengeschichten dauerten Jahre an ... Aber es ist nicht wahr, daß sie nicht gehorchen! Das ist nur, weil man nicht richtig mit ihnen umgeht. Die Katzen sind äußerst empfindlich für die vitale Kraft, die vitale Macht, und man kann sie vollkommen gehorsam machen. Mit einer Treue! Man sagt immer, die Katzen wären nicht treu, nicht anhänglich, nicht folgsam – das stimmt nicht, überhaupt nicht. Man kann vollkommen freundschaftliche Beziehungen mit ihnen haben. ... 

Bei einer von ihnen weiß ich, SAH ich: als sie starb, hatte sie bereits den Embryo eines psychischen Wesens, das für eine menschliche Inkarnation bereit war – ich half ihnen, die Etappen [Anm.: ihrer Entwicklung] zu durcheilen."  [8]

 

In meinem Umfeld hält sich hartnäckig das Vorurteil, Katzen seien grausam, weil sie ihre Beute durch die Luft werfen, scheinbar noch mit ihr spielen, bevor sie tot ist. Wohlgenährte Hauskatzen behalten diesen Instinkt bei, selbst wenn sie ihr Beutetier danach nicht verspeisen:

"Das ist ein Beispiel, das man Kindern gibt; aber ich hatte Katzen beobachtet. Ich weiß, was sie tun. Und es ist keineswegs wahr: Sie tun dies keineswegs aus Boshaftigkeit. Gewöhnlich geschieht es folgendermaßen: die Mutterkatze jagt für die Jungen und fängt eine Maus. Wenn sie den Jungen die Maus gleich geben würde, könnten sie sie nicht fressen, denn sie ist hart, zäh, und sie haben nicht die Fähigkeit, so hartes, zähes Fleisch zu fressen. Es ist auch nicht gut in diesem Zustand. Daher spielen die Katzen damit (sie scheinen damit zu spielen), sie werfen sie herum, rollen sie, fangen sie, lassen die Maus rennen, und rennen hinter ihr her, bis sie gut aufgeweicht ist. Und wenn die Maus so aufgeweicht ist, bereit zum Verzehr, und das Fleisch gut bearbeitet, dann geben sie es den Kleinen, die es jetzt fressen können. Aber sicher spielen sie nicht mit der Maus um des Spaßes willen! Sie jagen zuerst und bereiten dann die Mahlzeit zu. Sie haben weder Herd noch Feuer zum Kochen und machen die Sache weich. Sie müssen es vorbereiten für den Verzehr.“ [9]

 

„Was ich bei Tieren kenne, ist nur ihr Instinkt, der sie zur Handlung treibt, aber sie haben nicht jene Perversion, die sich im menschlichen Mentalen findet. Ich glaube, mit dieser Art mentaler Funktionen und unter dem direkten Einfluss des Vitalen wurde der Mensch zu einem Wesen mit bösem Willen.“ [10]

 Was ist Instinkt? – Es ist die Gegenwart des Göttlichen im Genius der Spezies, und dies ist das Psychische der Tiere: ein kollektives, nicht ein individuelles Psychisches [11]. Ich habe in Tieren all die Reaktionen -– emotionale, affektive, sentimentale – gesehen, all die Gefühle, auf die die Menschen so stolz sind. Der einzige Unterschied ist der, dass Tiere nicht darüber sprechen und darüber schreiben können, daher betrachten wir sie als untergeordnete Wesen, weil sie uns nicht mit Büchern über das, was sie empfunden haben, überschwemmen können.

 

Mutter

 

 

 Behandle dich und alle Lebewesen so, als müsstest du ihnen für alle Ewigkeit in die Augen schauen.

 

Andreas Tenzer 

[1] Mutter in einem Auszug aus: Sri Aurobindo, Die Mutter und andere Autoren. „Flüstern der Natur.“ 

[2]   Dr. Peter Reiter in "Der Wiederverkörperungsweg eines Menschen durch die Jahrtausende, Reinkarnationserfahrung in Hypnose",  Werner J. Meinhold, AURUM Verlag, Freiburg im Breisgau, 1989 , S. 207

[3] a.a.O., S. 207, 208

[4] - [7]  Mutter in einem Auszug aus: Sri Aurobindo, Die Mutter und andere Autoren. „Flüstern der Natur.“ iBooks

[8] Mutters Agenda

[9] , [10] Mutter in einem Auszug aus: Sri Aurobindo, Die Mutter und andere Autoren. „Flüstern der Natur.“ iBooks

[10] Das Psychische ist nach Sri Aurobindos Terminologie der Teil unserer Seele, der sich durch die Inkarnationen weiterentwickelt.  

Auf dem Weg vom Tier zum Menschen

„Wir haben all die Tiergattungen, wir kennen sie bis zu den höheren Tieren hinauf, die in der Tat sehr bewusst sind. Sie haben ihren eigenen vollständig unabhängigen Willen. Sie sind sehr bewusst und wunderbar intelligent, wie zum Beispiel der Elefant; ihr kennt all die Geschichten von Elefanten und ihrer wunderbaren Intelligenz. Daher handelt es sich bereits um eine sehr wahrnehmbare Erscheinung des Mentalen. Und durch diese progressive Entwicklung gelangen wir dann plötzlich zu einer Gattung, die wahrscheinlich verschwunden ist – Spuren von ihr wurden gefunden – ein Zwischentier wie ein Affe oder von demselben Entwicklungszweig – etwas, was ihm nahe kommt, ähnlich ist, wenn auch nicht der Affe, so wie wir ihn kennen – aber bereits ein Tier, das auf zwei  Beinen läuft." [1]

 

Im Übergangsbereich vom Tier zum Menschen standen die Herauslösung aus dem Gruppenbewusstsein und die weitere Individualisierung im Mittelpunkt. Ein Individuum zeichnet sich dadurch aus, dass es über alle Fähigkeiten verfügt, allein zu (über-)leben. Dazu gehörte nicht nur die entsprechende vitale Kraft, wie sie im Pflanzenreich grundgelegt wurde. War hier noch jeder mit dem anderen vernetzt und von der Natur mit Licht, Regen und Luft versorgt, mussten sich die Tierwesen bereits selbst um Nahrung bemühen und diese und sich selbst gegen Widersacher verteidigen. Ihr Vital hatte sich weiterentwickelt und an Stärke gewonnen, eine unabdingbare Voraussetzung. 

 

"Ich weiß nicht, ob es ein Gorilla ist; ich seh ihn schwarz und zottig, und er ist ziemlich groß. Ich nehm an, dass das ein Viech ist. Der läuft ziemlich stark, aber ... (unverständlich) irgendwie unbeholfen. Er tut mir leid, obwohl er so stark ist. Er kann sich nicht ausdrücken; niemand versteht ihn – furchtbar, eigentlich traurig. Er brüllt manchmal ganz laut, ganz herzzerreißend, alle haben Angst, aber niemand versteht ihn. Er fühlt sich unheimlich allein (traurige Stimme). Seine Stärke nutzt ihm nichts, aber er kann nicht darüber nachdenken, deswegen tut er mit leid – ich fühle mit dem." [2]

Noch konnte die beschriebene Kreatur nicht erfassen, weshalb sie ausgestoßen wurde. Es war ein erster Versuch, sich mitzuteilen und verständlich zu machen. 

Musste solch ein bedauernswertes Wesen nicht über mehr Stärke als die anderen verfügen, wenn ihm der Schutz der Herde genommen war? In einer seiner weiteren Verkörperungen als Frühmensch gab Herr Reiter eine sehr zutreffende Beschreibung des sich entwickelnden Vitals:

" ... das Gefühl, dass man wie ein Energiefeld in sich hat. Das ist ein Kraftfeld zum Körper. Wie wenn ich die Energie, wenn ich mich schlage oder etwas tue, irgendwo bündeln kann, ohne mir's zu überlegen. ... Vor allem das Sonnengeflecht, zur Brust hochgehend, über Arme und Beine, und auch das Sexualzentrum ist einbezogen."  [3] 

 

Die sich entwickelnde vitale Stärke führte immer wieder zu Rangkämpfen, die noch stark dem Tierreich verhaftet waren:  

"Der eben gewinnt, ist der Boss, solang, bis ein anderer gewinnt. ... Und der da der Boss ist, darf er immer zuerst das Fleisch fressen von Tieren, die gejagt oder sonst irgendwie gekriegt werden. ... Wenn er Lust hat, krieg ich auch noch ein Stück ab. Ich muss solange warten, bis er die Erlaubnis gibt."  [4] 

Eine Frau gehörte der Horde und der Anführer gab auch hier seine Zustimmung, ob man sie sich nehmen durfte oder nicht: 

"Ich hab mir halt eine geschnappt, wo er's geduldet hat. ... Man beriecht sich erst ein bisschen. ... So was ist auch immer 'ne gewisse Belohnung. ... Der Geruch ist wichtig, weil der das in Schwung bringt." [5] 

 

 Mehr und mehr rückte das Bedürfnis in den Mittelpunkt, das innere Erleben zum Ausdruck zu bringen. Nicht durch rationales Überlegen und Erkennen einer Notwendigkeit, sondern der Ausdruck war die Notwendigkeit selbst:

" ... Das hängt nicht mal davon ab, ob jemand zuhört oder nicht, obwohl das auch wichtig ist. Wenn man das fühlt, will man das auch ausdrücken. ... Durch Bewegung und durch Laute. Das ist noch kein Tanz, aber man hat schon gewisse Bewegungen drauf. Zum Beispiel hüpft man vor Freude mit beiden Beinen ... Wenn das ruft, sind das Schreie, mehr Tierschreie. ... Sie geben sich auch Zeichen" [6] 

Führen wir nicht heute noch ständig stumme innere Gespräche mit uns selbst und fassen in Worte, was uns bewegt? Noch lieber natürlich, wenn wir ein Gegenüber haben, das uns zuhört? 

 

Ein Räsonieren über Dinge, die von uns heute als schrecklich empfunden werden im Sinne von "Warum nur ...?", gab es noch nicht. Das tauchte erst mit der weiteren Ausbildung des Mentals auf. Der Tod wurde noch als natürliche Gegebenheit hingenommen: 

"Das ist ein schöner Tag, da glänzt die Sonne auf dem Wasser. Da bin ich im Wasser bis zur Hüfte. – Ich fange irgendwelche Tiere – freue mich eigentlich, es ist ein schöner Tag. ... Ich werde da so verwundet, dass ich daran sterbe, am Strand. ... da neben dem Ast, kann schon sein, das da'n Krokodil war. ... wollte mich nur festhalten. Es ging so schnell, da raschelt's ganz schnell und spritzt auf und beißt mir ein Stück vom linken, nein vom rechten Arm ab. Der ist total kaputt dann – das ist ´ne  Riesenwunde. – Und da das Wasser nicht tief ist, kann ich schnell ein paar Sätze machen ans Ufer, aber dann verblute ich. Das geht ziemlich schnell. – irgendwo find ich's unheimlich traurig, an einem so schönen Tag, so was Blödes. – Ich fühle irgendwo alles, ich denke nicht drüber nach." [7]

 

Die sehr schlichte Ausdrucksweise in dieser vertieften Hypnosesitzung gibt anschaulich den mentalen Stand der damaligen Entwicklungsstufe wieder.

Besonders interessant ist eine weitere Anmerkung von Herrn Reiter aus derselben Sitzung: Zeitgleich soll es bereits weiter entwickelte Kulturen gegeben haben. Wir wissen also nichts darüber, zu welchem Zeitpunkt, in welches Entwicklungsstadium und in welcher Abfolge unsere Seele inkarnierte. Wir können nur bestimmte Evolutionsstufen als existent annehmen.  

[1] Auszug aus: Sri Aurobindo, Die Mutter und andere Autoren. „Flüstern der Natur.“ iBooks. 

[2] Dr. Peter Reiter in "Der Wiederverkörperungsweg eines Menschen durch die Jahrtausende, Reinkarnationserfahrung in Hypnose",  Werner J. Meinhold, AURUM Verlag, Freiburg im Breisgau, 1989 , S. 205

[3] S. 194

[4] S. 195

[5] S. 197

[6] S. 202, 201

[7] S. 203

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Links und Literatur 

Links and Literature: Please understand that I am listing only German sources. The equivalents, if any exist, are easy to find in the web.  


   Bilder und Zitate       Pictures and Quotes

 

 

 Der Mensch ist ein Übergangswesen. 

 Man is a transitional being. 

 Um den Glauben und alles andere zu erlangen, muss man darauf bestehen, ihn zu bekommen und darf solange nicht erlahmen oder verzweifeln oder aufgeben, bis man ihn besitzt – auf diese Weise wurde alles erlangt, seit diese schwierige Erde von denkenden und sehnsüchtigen Wesen bewohnt wird. Es gilt, sich ständig dem Licht zu öffnen und der Finsternis den Rücken zu kehren. Es gilt, die Stimmen zurückzuweisen, die unermüdlich behaupten: "Du kannst nicht, du darfst nicht, du bist unfähig, du bist eine Marionette eines Traumes." 

In order to gain faith and everything else you have to insist on getting it and must not grow weak, despair or give up until it is possessed - in this way everything has been obtained since this difficult earth is inhabited by thinking and longing beings. It is a matter of constantly opening ourselves to the light and turning your back on the darkness. It is necessary to reject the voices which tirelessly assert: "You cannot, you must not, you are incapable, you are a marionette of a dream."

 Ich glaube, ich kann behaupten, Tag und Nacht, Jahr um Jahr gewissenhafter experimentiert zu haben, als ein Wissenschaftler seine Theorie oder Methode auf der physischen Ebene prüft. 

 

I think I can claim to have experimented day and night, year by year, more conscientiously than a scientist examines his theory or method on the physical plane. 

 Die Manifestation der Liebe des Göttlichen in der Welt war das große Selbstopfer, die höchste Selbsthingabe. Das Vollkommene Bewusstsein willigte darin ein, in die Unbewusstheit der Materie einzutauchen und von ihr aufgesaugt zu werden, auf dass Bewusstheit in den tiefen ihrer Finsternis erweckt werde und nach und nach eine göttliche Macht darin auftauche und die Gesamtheit dieses manifestierten Universums zu einem höchsten Ausdruck des göttlichen Bewusstseins und der göttlichen Liebe mache.

 

The manifestation of the Divine Love in the world was the great self-sacrifice, the highest self-giving. The Perfect Consciousness consented to immerse in the unconsciousness of matter and to be absorbed by it to awaken consciousness in the depths of its darkness and to gradually reveal a Divine power in it and to turn the totality of this manifested universe into a supreme expression of the Divine consciousness and Divine love.

 

Ich kam nach Indien, um Sri Aurobindo zu begegnen. Ich blieb in Indien, um mit Sri Aurobindo zu leben. Als er seinen Körper verließ, fuhr ich fort, hier zu leben, um sein Werk weiterzuführen: d.h. der Wahrheit zu dienen und die Menschheit zu erleuchten, um die Herrschaft der göttlichen Liebe auf der Erde zu beschleunigen. 

 

 I came to India to meet Sri Aurobindo. I remained in India to live with Sri Aurobindo. When he left his body, I continued to live here in order to do his work which is by serving the Truth and enlightening humanity to hasten the rule of the Divine's Love upon earth.

 Gegenwärtig sind wir mitten in der Übergangsperiode, in welcher beide sich ineinander verschränken: Die alte Welt besteht noch in all ihrer Macht, beherrscht das gewöhnliche Bewusstsein, aber die neue schleicht sich ein, so bescheiden und unaufdringlich, dass sie für den Augenblick wenigstens äußerlich nicht sehr viel verändert ... aber sie arbeitet, sie wächst, bis auf den Tag, an dem sie stark genug ist, sich augenfällig zu behaupten. 

 

At the present time we are in the midst of the transitional period in which the two are intertwined: the old world still exists in all its power, dominates the ordinary consciousness, but the new is creeping in so modest and unobtrusive that at least for the moment it does not change much externally ...  but it works, it grows, until the day it is strong enough to assert itself visibly.

 

 Ich sah diese zwei Extreme: den Gipfel des Yogi und den Gipfel, sagen wir, des Elektronikers oder des Intellekts. Und was lag zwischen den beiden? Und wo ist es besser zu entschwinden? – Denn in beiden Fällen schien man zu entschwinden: entweder in leuchtendem Weiß oder in einem ziemlich erstickenden Schwarz. Aber das Leben, das göttliche Leben war das nicht!

 

 I saw these two extremes: the summit of the yogi and the summit, say, the electronics or the intellect. And what was between the two? And where is it better to escape? – For in both cases one seemed to be disappearing: either in bright white or in a rather suffocating black. But it wasn't life, not the Divine Life!

 Oh, wir halten uns alle für weise und wissend, wie schade! Wir schlafen weise und wissenschaftlich und auf einem seltsamen Feuer, das dort glimmert und das demnächst all unsere Weisheiten und Wissenschaften umstürzen wird. Was für Kinder wir doch sind! Dort, im Körper. Dieses Mysterium ...

 

Oh, we all consider ourselves wise and knowing, how pity! We sleep wisely and scientifically and on a strange fire glimmering there which will soon overthrow all our wisdoms and sciences. What children we are! There, in the body. This mystery ...

 

Es ist sehr seltsam: wie zwei Körper ineinander. Der eine weiß unwiderruflich und für immer und allen Widrigkeiten zum Trotz, er kennt das Leben, das er berührt; und der andere, ein wenig darüber und ihn gleichsam verhüllend, ist der alte sterbliche Körper, das Resultat unzähliger Vorahnen, die ihm den Tod und nur den Tod eintrichterten – den Tod bei der geringsten Anzweiflung seines überlieferten alten Rhythmus. Und dieser weiß überhaupt nichts! Er weiß nur um das alte Gesetz.

 

It is very strange: like two bodies in each other. The one knows irrevocably and forever and against all odds, he knows the life he touches; and the other a little above and covering him is the old mortal body, the result of countless ancestors which brought him death and only death  – death at the slightest doubt of his ancient tradition. And he knows nothing at all! He only knows the old law. 

 

Es ist Zeit, aufzuhören, mit den Mitteln der Vergangenheit etwas zum Positiven verändern zu wollen. Seid doch endlich still und lauscht, was die Zukunft euch zu sagen hat!  Sie ist nie von eurer Seite gewichen, ihr braucht sie nur anzunehmen! 

It is time to abandon the attempt to reach positive changes with means of the past.  Be still! Listen what the future wants to tell you!

It was always at your side, you just need to open yourself for its invitation. 


Es ist die Dunkelheit vor der

Morgendämmerung,

just the darkness

before dawn ...